Themen

11. Deutscher Still- und Laktationskongress


Mastitis und Abszess: Welche Therapien sind leitlinienkonform und evidenzbasiert?

Häufig auftretende Probleme in der Stillzeit mit dem verbundenen Risiko frühzeitig abzustillen, verlangen Bemühungen, welche die Versorgung stillender Frauen verbessern. Mit einer vorliegenden und aktuell gültigen Leitlinie werden erstmals evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen zur Therapie still-assoziierter und entzündlicher Brusterkrankungen für Deutschland bereitgestellt. Nach den Kriterien zur Leitlinienentwicklung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften wurden in einer interdisziplinär zusammengesetzten Expertengruppe Empfehlungen zur Therapie folgender Brusterkrankungen in der Stillzeit erarbeitet:

  • wunde Brustwarzen
  • verstärkte initiale Brustdrüsenschwellung
  • Milchstau
  • Mastitis puerperalis
  • Die Ziele der Leitlinie sind dabei:

  • das Bewusstsein für und das Wissen über Stillprobleme bei dem Fachpersonal und den stillenden Müttern zu stärken und zu verbessern
  • den Hebammen, den Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, den Stillberaterinnen sowie dem betreuenden Fachpersonal aus den Bereichen der Frauenheilkunde und der Kinderheilkunde Entscheidungshilfen zu geben, die sie in der Behandlung stillender Frauen mit entzündlichen Brusterkrankungen der Laktationsphase unterstützen:
  • im Sinne der Stillförderung eine optimale Therapie unter Berücksichtigung des Wohlergehens sowohl der Mutter als auch des Kindes zu ermöglichen und durch frühzeitiges Erkennen und Behandeln der mit dem Stillen assoziierten Brusterkrankungen das Risiko für weitere Komplikationen zu reduzieren.
  • Der Vortrag wird die relevanten Empfehlungen und deren Hintergründe im Rahmen eines Übersichtsreferates skizzieren und evidenzbasierte Therapievorschläge darstellen.

    Univ.- Prof. Dr. med. Achim Wöckel

    • Gynäkologe
    • Direktor der Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie, Universitätsklinik der Julius-Maximilians-Universität, Würzburg
    • Wissenschaftlicher Schwerpunkt u.a.: Leitlinienentwicklung, -methodik und Implementierung onkologischer Leitlinien

     

    Wer steuert das Schiff? Plädoyer für eine Ethik unter dem Zwang zur Optimierung

    Unter Optimierung versteht man eine Entwicklung, innerhalb derer die unterschiedlichen Bestandteile eines Systems so in Übereinstimmung gebracht werden, dass das Ergebnis als das beste aller möglichen Resultate für die Gesamtfunktion des Systems gelten kann. Ohne den Wunsch nach Optimierung würden unsere Züge noch von Dampflokomotiven angetrieben, der Container wäre nicht erfunden und es gäbe es nicht den modernen, multifunktionalen Gebärstuhl.

    Optimierungen sind Projektionen in die Zukunft. Das Erleben des Augenblicks entzieht sich der Optimierung. Das Jetzt ist zeitlos. Das erste Lächeln einer Mutter beim Anblick ihres neugeborenen Kindes, die spontane Freude der Eltern, wenn das Kind seine ersten Schrittchen macht oder die Tränen des Kindes, wenn es sich weh getan hat lassen sich nicht optimieren. Wir werden berührt und wir lassen uns berühren. Leben geschieht. Heilsame Begegnungen können nur im Jetzt stattfinden.

    Ohne gutes Wirtschaften kann kein Betrieb überleben. Aber muss die Orientierung am Markterfolg und das Erzielen von immer höheren Profiten die oberste Priorität sein? Welchen Preis sind wir dafür bereit zu zahlen? Wer zahlt ihn, wer hat den Gewinn? Dieser Optimierungsdruck von außen ohne wirkliches Mitspracherecht der Beteiligten wird als Zwang erlebt. Wenn Effizienz – d.h. das möglichst schnelle Erreichen eines Ziels unter Verwendung möglichst weniger Ressourcen – die oberste Maxime wird, stellen Zeit und Personal eine teure Ressource dar, die es gilt, auf das absolut Nötige zu reduzieren. Das ist es, was wir zurzeit erleben. Was macht das mit uns? Unter diesen Bedingungen sind gelingende Begegnungen kaum mehr möglich.

    Optimierungsvorgänge in der Geburtshilfe sind dann gut, wenn sie helfen, einen sicheren Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen Erleben und Begegnung möglich sind. Mit der Frage „Wer steuert das Schiff?“ möchten wir zum Nachdenken anregen, welche Haltungen, Werte und Überzeugungen einem selbst wichtig sind. So lässt sich eine klare ethische Haltung entwickeln, die einem Orientierung gibt und uns wieder zu selbstbewussten Handelnden macht.

    Dr. med. Barbara Jahn

    • Gynäkologin, Still- und Laktationsberaterin, Ausbildung in Gestalttherapie, Dialogprozessbegleitung
    • Von 1993 bis 01.03.2017 Oberärztin Gynäkologie und Geburtshilfe mit Schwerpunkt Geburtshilfe, Helios Mariahilf Klinik Hamburg

     

     

    Bettina Stülpnagel

    • Lehrerin für Kundalini Yoga
    • NLP - Lehrtrainerin
    • Heilpraktikerin
    • Teamleiterin des Mother & Child Bereichs der Kaifu Lodge in Hamburg
    • Fachbuchautorin
    • Verheiratet, drei Kinder

    Stillen und Diabetes

    Frauen mit Gestationsdiabetes stillen ihre Kinder durchschnittlich seltener und kürzer als Frauen ohne Diabetes. Als Faktoren, die mit einer kürzeren Stilldauer assoziiert sind, konnten bereits vor der Schwangerschaft bestehendes Übergewicht, eine Behandlung des Gestationsdiabetes mit Insulin und ein geringeres Bildungsniveau der Mutter identifiziert werden. Aktuelle Ergebnisse aus prospektiven Studien zeigen, dass nicht nur die Kinder, sondern vor allem Mütter mit Gestationsdiabetes von einer längeren Stilldauer profitieren. So ist das Risiko der Mütter für Typ 2 Diabetes postpartum deutlich reduziert, wenn sie mehr als 3 Monate ausschließlich stillen. Aufgrund der positiven Auswirkungen des Stillens sollen Frauen mit Gestationsdiabetes nachdrücklich zum Stillen ihrer Kinder ermutigt und unterstützt werden.

    PD Dr. oec. troph. Sandra Hummel

    • Ernährungswissenschaftlerin, Ökotophologin
    • Arbeitsgruppenleiterin Gestationsdiabetes, Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum Münche
    • Wissenschaftliche / Leitende Mitarbeiterin, Forschergruppe Diabetes e.V. und Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München, Prof. Dr. A.-G. Ziegler

    Geburtshilfliche Interventionen – Auswirkung auf Stillen und Laktation

    So wie jedes andere Lebewesen auch, ist das „Säugetier“ Mensch mit den optimalen Voraussetzungen für Geburt und Versorgung seiner Nachkommen ausgestattet.
    Doch obwohl eine Frau alles mitbringt um Gebären und Stillen zu können und ein Kind dafür gemacht ist, geboren zu werden und an der Brust seiner Mutter zu trinken, erleben wir in den Kreißsälen und auf unseren Wochenstationen Mühsal, Tränen und Scheitern und viel zu selten unverkrampfte, selbstverständliche Abläufe.
    Was haben schwere Geburten und medizinische Interventionen mit dem Stillbeginn und dem Stillerfolg zu tun? Wenn wir das gut verstanden haben, fällt es uns leicht, Ansätze zu finden, die Mütter und ihre Neugeborenen darin unterstützen, in Verbindung zu treten und eine beglückende Stillbeziehung auf zu bauen.

    Dr. med. Bärbel Basters-Hoffmann

    • Gynäkologin, Still- und Laktationsberaterin
    • Ausbildung in klassischer Homöopathie
    • Kreißsaaloberärztin, St. Elisabethenkrankenhaus Lörrach, Perinatalzentrum Level I
    • Leitung des Projektes Babyfreundliches Krankenhaus ab 1999
    • Geburt der Kinder Sebastian 1984, Ruben 1988, Friederike 1990, Lilly 1999      (verstorben kurz nach der Geburt), Nike 2001, Ludwig 2003. Alle Kinder mehrere Jahre gestillt.

    Zoff ums Beifüttern

    Jeder Säugling dieser Erde ergänzt irgendwann einmal die Milchkost durch weitere Kost. Nur: Wie das vonstatten gehen soll, ist bis heute umstritten. Die offiziellen Empfehlungen an Eltern gehen von zwei Annahmen aus: Beikost sei Breikost und damit Löffelkost, und: Die Beikost sei stufenweise zu verabreichen, wobei etwa jeden Monat eine volle Brustmahlzeit durch eine volle Breimahlzeit zu ersetzen sei. Woher kommen diese Annahmen, welche wissenschaftliche Evidenz steht dahinter und wie vertragen sie sich mit der Praxis der vom Kind gesteuerten Beikost-Einführung (baby led weaning, BLW)?

    Dr. med. Herbert Renz-Polster

    • Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde
    • Buchautor: u.a. Kinder verstehen, Wie Kinder heute wachsen, Die Kindheit ist unantastbar
    • assoziierter Wissenschaftler am Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg
    • Vater von vier Kindern

    Gewichtsentwicklung gesunder Neugeborener im ersten Lebensmonat: Müssen wir die Empfehlungen ändern?

    Fast alle Neugeborenen verlieren während der ersten 1-3 Lebenstage an Gewicht, unabhängig davon, ob sie gestillt oder mit Formula ernährt werden. Die bisher geltenden Empfehlungen zur Gewichtsentwicklung von Termingeborenen gehen dabei von einem Gewichtsverlust von nicht mehr als 7% und dem Wiedererreichen des Geburtsgewichtes nach ca. 7-14 Tagen aus.
    Eine neue amerikanische Studie an 144.000 Neugeborenen in Kalifornien zeigte jedoch kürzlich, das 14% der vaginal geborenen und 24% der per Kaiserschnitt zur Welt gekommenen Kinder dieses Ziel nach zwei Wochen verfehlten.
    Es ist demnach also nicht ungewöhnlich, dass eine langsamere Wiedererlangung des Geburtsgewichts ein durchaus normales Neugeborenenwachstum darstellen kann, und nicht per se auf eine unzureichende Muttermilchmenge hindeutet.

    Thomas Kühn

    • Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, Neonatologe, Still- und Laktationsberater
    • Oberarzt in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin
    • Verantwortlicher Arzt für die sozialmedizinische Nachsorge des „Kindergesundheitshauses e.V. Berlin“
    • Seit 2005 Ausbildungs-, Publikations- und Lehrtätigkeit über „Neotrainer“ in Workshops und Trainings zu verschiedenen perinatologischen Schwerpunkten und Themenkomplexen

     

    „Stillen Sie einfach ab, denn dem Kind schadet es nicht“ – Über die Bedeutung des Abstillens für Kind und Mutter sowie mögliche Alternativen

    Vor bestimmten Untersuchungen oder stationären Behandlungen stehen Stillmütter vor der Frage: „Muss ich abstillen oder gibt es Alternativen?“ Nur zu leichtfertig wird diese Entscheidung durch manche Ärzte übernommen und Alternativen bleiben zumeist unerwähnt – weil es so einfacher ist oder weil Kenntnisse fehlen. Dieser unterschwellige Paternalismus läuft der Patientenautonomie zuwider und lässt Frauen den für sie selbst wichtigen Identifikationsmechanismus vorzeitig abbrechen. Der Beitrag erklärt die typischen Reaktionen von Patientinnen, reflektiert wichtige Aspekte im ethisch adäquaten Umgang mit stillenden Patientinnen und zeigt mögliche Alternativen auf. Denn letztlich sollte die Entscheidung über das Stillen wieder zurück in die Hände der Mutter gegeben werden – zum Wohle von Kind und Mutter.

    Anika Walther, M.A.

    • freiberufliche Ethikberaterin (Fortbildung und Leitlinienentwicklung)
    • Doktorandin der Universität Vechta (Medizinethik, Pflegeethik, Leitlinienentwicklung)
    • Fachautorin

     

    Mangelnde Gewichtsentwicklung bei gestillten Säuglingen

    Wir wollen das Stillen unterstützen und fördern. Im Alltag stehen wir jedoch immer wieder vor der Situation, dass Säuglinge nur unzureichend gedeihen und Muttermilch als alleiniges Nahrungsmittel nicht ausreicht. Häufig erleben wir in der Beratung Mütter, die daran zweifeln, manchmal aber auch „verzweifeln“, nicht genügend Milch für ihr Baby zu haben. Sie fühlen sich als Versagerin. Nicht selten werden Mütter im Falle einer langsamen oder unzureichenden Gewichtszunahme unter Druck gesetzt, was dazu führen kann, dass die ganze Familie nur noch auf das Thema „Essen“ fokussiert…
    Um das Gedeihen des Kindes sicherzustellen, aber auch um die Mütter in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, ist es daher wichtig, Stillsituationen und Gewichtsverläufe feinfühlig und kompetent zu beurteilen.

    Ingrid Kloster, IBCLC

    • Fachkrankenschwester für Anästhesie- und Intensivmedizin
    • Still-und Laktationsberaterin
    • SAFE®-Mentorin
    • Still-und Laktationsberatungspraxis
    • Elternschule

    The Early Nest, Wellbeing and Moral Development/Das frühe Nest, Wohlbefinden und Entwicklung des Gewissens

    The Evolved Developmental Niche (EDN) represents a set of intensive caregiving practices of social mammals over 30 million years old that match up with the maturational schedule of offspring. Over evolution, humans intensified caregiving further for the very helpless human infant who is born 9-18 months early compared to other animals. In the first years of life the evolved developmental niche includes soothing birth experiences, nearly constant touch, responsiveness to needs so that distress does not occur, breastfeeding, multiple adult caregivers, play, and positive social climate. Each component is neurobiologically essential to optimize thriving, social and moral development.

    Die menschliche evolutionäre Entwicklungsnische (evolved developmental niche, EDN) stellt eine Reihe von intensiven Pflegepraktiken dar, die sich bei sozialen Säugetieren über die letzten 30 Millionen Jahre entwickelt haben und die genau zum Reifungsplan des Nachwuchses passen. Die menschliche Art hat im Laufe der Evolution die Pflege seines hilflosen Nachwuchses, der im Vergleich zu anderen Tieren 9 bis 18 Monate zu früh geboren wird, weiter intensiviert. Im ersten Lebensjahr gehört zur menschlichen evolutionären Entwicklungsnische eine beruhigende Geburtserfahrung, fast durchgängiger Körperkontakt, Eingehen auf die Bedürfnisse des Säuglings um Stress zu vermeiden, Stillen, mehrere erwachsene Pflegepersonen, Spiel und ein positives gesellschaftliches Klima. Jeder Bestandteil ist neurobiologisch unerlässlich damit das Kind gedeiht und seine soziale und ethische Entwicklung optimal verläuft.
    Übersetzung: Dr. med. Herbert Renz-Polster

    Prof. Darcia Narváez, PhD

    • Psychologin, Department of Psychology, University of Notre Dame, USA
    • Autorin: u.a. Embodied Morality: Protectionism, Engagement and Imagination, Neurobiology and the development of human morality: Evolution, culture and wisdom

    Bedeutung des Stillens in der Betreuung von Müttern mit Migrationshintergrund

    Im Zuge der Migration gewinnt transkulturelle Kompetenz in der Klinik zunehmend an Bedeutung.
    Der Vortrag soll anhand von Beispielen aus dem Alltag einer neonatologischen Station über die Begrifflichkeiten aufklären und verdeutlichen welche Maßnahmen notwendig sind, damit kultursensibles Arbeiten gelingt.

    Jutta Marquardt

    • Kinderkrankenschwester
    • Stillmentorin
    • Beauftragte für interkulturelle Fragen
    • Klinik für Neonatologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin

     

    Ute Skurk

    • Kinderkrankenschwester
    • Stillmentorin
    • Klinik für Neonatologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin

    Arbeitsbiene oder Königin? Epigenetische Einflüsse von Stillen und früher Bindung

    Nur zum Teil bestimmen die Gene unseren Phänotyp - also unsere Gestalt, die physiologischen Merkmale und unsere Verhaltensweisen. Immer häufiger richten sich die Blicke der Forscher darauf, wie Umwelteinflüsse den genetischen Code modifizieren, wie sie regulieren, was zur Ausprägung kommt. Die enormen Fortschritte der letzten Jahre im Fachgebiet der Epigenetik machen auch vor der Geburtsmedizin nicht halt. Insbesondere die epigenetischen Einflüsse von Stillen und Bonding werden zunehmend deutlicher. Der Vortrag zeigt verblüffende Zusammenhänge auf, die unser Wissen heute bereichern.

    Dr. med. Sebastian Hentsch

    • Gynäkologe, gynäkologische Onkologie
    • Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
    • Städtisches Klinikum Solingen gGmbH

    Stillen bei maternalen Herzerkrankungen

    Darf bei maternalen Herzfehlern gestillt werden oder nicht? Wie sind die Zusammenhänge bei Kardiomyopathie? Ein Blick auf die jeweiligen Pathomechanismen hilft, die Abwägungen fundiert betrachten zu können.

    Dr. med. Maike Manz, IBCLC

    • Gynäkologin, Hebamme, Still- und Laktationsberaterin seit 2008
    • Chefärztin für Geburtshilfe und Pränatalmedizin, Helios Mariahilf Klinik Hamburg

    Die Ausbildungsreform in der Pflege – ein Sachstandsbericht

    Die Pflegeberufe Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie Altenpflege sollen zu einem gemeinsamen Pflegeberuf -dem sogenannten generalistischen Pflegeberuf mit Schwerpunktsetzung - zusammengeführt werden. Dieses stellt die bisherigen 3 Berufsfelder innerhalb der Fachpflege aber auch die Politik vor einige Herausforderungen.
    Der Vortrag beleuchtet die verschiedenen Vor- und Nachteile bzw. Schwierigkeiten, die sich aus dieser zukünftigen gemeinsamen Ausbildung ergeben würden.
    Mit Datum der Abstract- Einreichung wurde seitens der Politik noch nicht beschlossen, diese gemeinsame generalistische Ausbildung mit Schwerpunktsetzung noch in dieser Legislaturperiode, d.h. bis zur nächsten Bundestagswahl im September 2017, zu verabschieden. Es wird daher auf dem Kongress der Stand der Entwicklung vorgetragen werden.

    Birgit Pätzmann-Sietas

    • Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, Koordinatorin Gesundheitsökonomie (FH)
    • Universitätskrankenhaus Hamburg Eppendorf / stv. Stationsleitung einer HNO Kinder- und Frauenstation
    • Pflegedienstabteilungsleiterin einer Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie Gynäkologie und Geburtshilfe des Elbe Klinikums Stade
    • Abteilungsleitung Medizinisches Prozessmanagement der Elbe Kliniken Stade-Buxtehude
    • Kinderschutzbund:  Koordinatorin Jugendhilfe-Gesundheitswesen
    • Vorsitzende des Berufsverbandes Kinderkrankenpflege Deutschland (BeKD e.V.)
    • Präsidiumsmitglied Deutscher Pflegerat e. V.

    Kolostrumwissen kompakt

    aufgefrischt für alle, die mit Schwangeren und Wöchnerinnen im Frühwochenbett arbeiten: Welches Wissen steht mir zur Verfügung und was, bringe ich wie, wann und in welcher Form an die werdenden Eltern. Die Vorstellung der Arbeit mit der Kolostrumkarte.
    Wer kennt nicht die Situation im Frühwochenbett, wenn Kolostrum unterschätzt wird? Wenn Mütter nach der richtigen Milch fragen, weil sie meinen zu wenig davon zu haben und sie eher zu wenig darüber wissen.

    Katja Biernath-Kruse, IBCLC

    • seit 1993 angestellte Hebamme, zeitweise freiberuflich tätig
    • seit 2014 Still- und Laktationsberaterin und seit 2015 Stillbeauftragte im Marienkrankenhaus Hamburg

    Präpartale Kolostrumgewinnung - Stillbegleitung bei Frauen mit Diabetes

    Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich bei der Stillberatung diabetischer Mütter? Vorgestellt wird die Vorgehensweise des St. Joseph bei der Begleitung von Betroffenen. Die Inhalte des präpartalen Stillgesprächs werden betrachtet, die besonderen Risiken für Mutter und Kind bei maternalem Diabetes, ebenso die Frage, welchen Einfluss das Stillen auf die mütterliche Erkrankung und die kindliche Disposition hat. Wie erfolgt die Einweisung in die vorzeitige Kolostrumgewinnung? Was kann man auch nach der Geburt dafür tun, Mutter und Kind gut zu unterstützen, um medizinische Interventionen zu vermeiden? Abgerundet wird der Vortrag mit einem kritischen Blick auf die Schwierigkeiten und die aktuelle Datenlage. Ich werde gerne im Vortrag (wenn auch, angesichts der zeitlichen Vorgaben, nur kurz) auf den Einfluss des Geburtsmodus eingehen, sowie auf das Bonding und weitere Massnahmen zur Vermeidung von Hypoglykämien. Auch die verzögerte Wundheilung (Stichwort "wunde Brustwarzen") und das erhöhte Risiko einer Soorinfektion werden berührt.

    Bettina Kraus, IBCLC

    • Hebamme, Still- und Laktationsberaterin
    • Stillbeauftragte der Frauenklinik des St. Josephkrankenhauses Berlin Tempelhof
    • freie Dozentin an der evangelischen Fachhochschule Berlin im Studiengang Hebammenwesen
    • freie Lehrbeauftragte an der Schule für Gesundheitsberufe Berlin GmbH
    • verheiratet, zwei Kinder, lebt mit ihrer Familie in Berlin-Kreuzberg

    Kann es auch ohne Flasche gelingen? Alternative Fütterungsmethoden in der Neonatologie

    Muttermilch ist Medizin für Frühgeborene und Stillen ist Therapie für die ganze Familie. Bisher ist häufig noch die Fütterung mit der Flasche in den Neonatologien Normalität – ist das gut für Frühgeborene? Ist es egal? Behindert die Flaschenernährung das Stillen an der Brust? Gibt es Alternativen auf einer Neonatologischen Intensivstation? Möglichkeiten und auch Grenzen alternativer Fütterungsmethoden werden vorgestellt.

    Claudia Braches, IBCLC

    • Kinderkrankenschwester, Still- und Laktationsberaterin
    • Stillbeauftragte am Klinikum Solingen (Babyfreundliche Kinderklinik und Geburtshilfe), Betreuungsschwerpunkt Neonatologie
    • Neonatalbegleiterin EFNB®
    • Gutachterin der Initiative Babyfreundlich, in Ausbildung
    • Verheiratet, zwei Kinder

    Gibt es wirklich ein „Zeitfenster“ bei der Einführung von Beikost?

    S3 Leitlinie Allergieprävention, Zöliakieprävention, Eisenversorgung – wie relevant sind diese Themen bei der Frage zum Zeitpunkt der Beikosteinführung?
    Es wird empfohlen Beikost in einem „Zeitfenster“ zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat eines Babys einzuführen, um das Risiko für Allergien, für das Auftreten einer Zöliakie und die Gefahr einer Nährstoffunterversorgung zu verringern. Kann diese Empfehlung so aufrecht erhalten werden oder sagt die Studienlage mittlerweile etwas anderes aus?

    Aleyd von Gartzen, IBCLC, BSc

    • Hebamme, Still- und Laktationsberaterin
    • Beauftragte für Stillen und Ernährung des Deutschen Hebammenverbandes
    • Mutter von fünf Kindern

    „Es geht auch ohne Babybrei – Warum Eltern nicht den offiziellen Beikost-Empfehlungen folgen müssen“

    Beikost gleich Breikost heißt es für Eltern, die sich nach dem "Ernährungsplan für das erste Lebensjahr" des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund (FKE) richten. Darin ist festgelegt, ab wann und in welcher Zubereitung erste Breie gefüttert werden sollen. Doch was, wenn sich das Baby nicht danach richtet? Darum geht es im Vortrag von Dörthe Ziemer. Inhalt ist auch, warum Finfgerfood in offiziellen Empfehlungen ungenannt bleibt und was für diese Ernährungsformen spricht.

    Dörthe Ziemer

    • Journalistin, Veröffentlichungen u.a. in: Berliner Zeitung und Regionalzeitungen
    • Stipendiatin der Europäischen Journalisten-Fellowships 2013/14 mit einem Rechercheprojekt zum Thema Beikost
    • Seit Januar 2017 Pressesprecherin der Stadt Lübben / Spreewald

    Ernährung in der Schwangerschaft: Vegetarisch, vegan, was ist möglich?

    Pränatale Forschungen zeigen: die Ernährung der Schwangeren hat großen Einfluss auf die Entwicklung des Fötus. Welche Ernährungsformen sind unter diesen Aspekten zu befürworten? Wie können Schwangere zu ausgewogener Ernährung motiviert werden? Welche Supplemente braucht's wirklich? Diese Fragen stehen wissenschaftlich fundiert und praktisch umsetzbar im Mittelpunkt.

    Brigitte Neumann

    • Diplom-Ökotrophologin
    • Fachjournalistin
    • Erforschend und praktisch tätig rund um die Ernährung vom Säugling bis zum Senior
    • Mutter von drei Kindern

    WHO-Kodex - Schutz für Familien und Fachkräfte im Gesundheitswesen

    Der WHO Kodex ist unbequem. Auf den ersten Blick ist er ein umständliches Regelwerk, das viele Menschen als überholt und realitätsfern empfinden. Und richtet sich der WHO Kodex nicht vor allem gegen die Praktiken der Nahrungsmittelindustrie in den Entwicklungsländern? Für die Industrieländer scheint der Kodex übertrieben. Was ist also schlimm daran, Geschenke von Vertretern der Milchfirmen anzunehmen oder weiterzugeben? Und warum sollen millionenschwere Firmen nicht die gute Sache des Stillens unterstützen und Fortbildungen, Inkubatoren oder Milchpumpen finanzieren? Diesen und anderen Fragen geht die Referentin in ihrem Vortrag nach und bringt so Licht in den Dschungel des Regelwerks WHO-Kodex.

    Lisa Fehrenbach, IBCLC

    • Hebamme, Still- und Laktationsberaterin
    • Atem und Bewegungslehrerin
    • hat als Beauftragte für Stillen und Ernährung den Deutschen Hebammenverband vertreten
    • Autorin und Dozentin, lebt in Berlin

     

    Autorenlesung aus dem Buch "Die Abschaffung der Mutter"

    An wirklich aussagekräftige Zahlen zur Stillhäufigkeit in Deutschland zu kommen, ist eine Herausforderung. Die wenigen Datenerhebungen aus den verschiedenen Jahrzehnten sind zudem aufgrund ihrer Fragestellungen nur schwer miteinander vergleichbar. Was in Deutschland und auch in anderen westeuropäischen Ländern aber deutlich zu spüren ist, ist das hysterische Verhältnis zur Mutterbrust. Entweder wird das Stillen zur Heiligkeit verklärt oder die Perversion ist nicht weit entfernt. Die Lesung von Denise Wilk aus ihrem Buch "Die Abschaffung der Mutter" richtet den Blick aufs Stimmungsbild in Deutschland und lädt die Zuhörer zum Austausch ein.

    Denise Wilk

    • Autorin von "Die Abschaffung der Mutter" (zusammen mit Alina Bronsky)
    • zertifizierte Geburtsbegleiterin, Doula (GfG)
    • Bundesvorstand der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung (GfG)
    • Dipl. Sozialpädagogin und Bewegungspädagogin
    • Mutter von 6 Kindern

    Jedes Kind kann schlafen lernen - nur wie?

    Babys brauchen ihren Schlaf - auch um zu wachsen und sich zu entwickeln. Dann sollte der Schlaf doch das einfachste Ding der Welt sein! In Wirklichkeit aber entzünden sich daran oft die ersten Konflikte in der jungen Familie. Die Kleinen scheinen sich das mit dem Schlaf anders vorzustellen als ihre Eltern. Warum ist das so, und was können wir tun, um die Kinder beim Schlafen zu unterstützen? Welche Rolle spielen bestimmte Methoden und Trainings, welche Wirkungen und Nebenwirkungen haben sie?

    Dr. med. Herbert Renz-Polster

    • Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde
    • Buchautor: u.a. Kinder verstehen, Wie Kinder heute wachsen, Die Kindheit ist unantastbar
    • assoziierter Wissenschaftler am Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg
    • Vater von vier Kindern

    Intuitives Stillen – mit weniger Anleitung mehr erreichen

    Viele Mütter erleben das Anlegen ihres Babys in den ersten Tagen und Wochen als schwierig bis unmöglich. Schmerzende Brustwarzen, ungenügender Milchtransfer oder Brustverweigerung kommen häufig vor und werden daher für normal gehalten. Können diese Schwierigkeiten nicht aufgelöst werden, kommt es oft zum ungeplanten vorzeitigen Abstillen.

    Das Konzept des Intuitiven Stillens beleuchtet, welche angeborenen Frühreflexe des Kindes das Stillen eigentlich unterstützen, in aufrechten Stillpositionen das Anlegen jedoch erschweren und sogar verhindern können.

    Der Vortrag stellt die wichtigsten Elemente des Intuitiven Stillens vor und gibt Hebammen und Stillberaterinnen Hinweise für ihre Umsetzung in die Praxis, um so die Zahl der frühen Stillprobleme zu reduzieren.

    Regine Gresens, IBCLC

    • Hebamme, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HPG), Berufspädagogin
    • Still- und Laktationsberaterin seit 1996
    • Freiberufliche Beratungstätigkeit in Hamburg
    • Buchautorin: „Intuitives Stillen“; 2016, Kösel-Verlag
    • Co-Autorin: „Praxisbuch: Besondere Stillsituationen“, DHV (Hrsg.); 2012, Hippokrates Verlag

    Stillvorbereitung in der Klinik

    Gute Informationen in der Schwangerschaft sind essentiell für den Stillbeginn sowie für den Erfolg und die Dauer des Stillens. Weil die Intuition der Frauen und Babys in der Klinikumgebung oft außer Kraft gesetzt ist, brauchen diese individuelle Unterstützung und Planung. Eine professionelle Stillvorbereitung erhöht die Zufriedenheit der Familien sowie die Arbeitszufriedenheit des Personals und ist zudem ein Qualitätsmerkmal der Klinik. Der Vortrag klärt grundlegende Fragen: Wer soll informiert werden? Wann, wo, wie und von wem? Wie lassen sich Finanzierung und Materialien organisieren? Darüber hinaus erhalten die ZuhörerInnen theoretisches Wissen und praktische Instrumente, um eine Stillvorbereitung leicht und mit viel Spaß durchzuführen. 

    Tatjana Nicin, IBCLC

    • Hebamme, Still- und Laktationsberaterin seit 2001, Dipl. Sonderpädagogin
    • Pflegerische Bereichsleitung der Geburtshilfe Klinikum Hanau, Level I
    • Ehemalige Beauftragte für Stillen und Ernährung des hessischen Hebammenverbandes

    Stillvorbereitung in der Hebammenpraxis

    Wie können wir mit Schwangeren in der Hebammenpraxis/Geburtsklinik über die Bedeutung von Bindung und Stillen und unser Angebot dazu ins Gespräch kommen?

    Die vorgeburtliche Stillinformation in der freiberuflichen Hebammenpraxis:

    • Ist das sinnvoll?
    • Wann ist der Beste Zeitraum?
    • Wie wird sie durchgeführt und von wem?
    • Welches Material wird benötigt und kommt in Frage?
    • Diese Fragen sollen in diesem Vortag beantwortet werden...

    Angela Schönfeldt, IBCLC

    • Krankenschwester, Hebamme, Still- und Laktationsberaterin
    • Beleghebamme in den AK Segeberger Kliniken (seit 2007 ein zertifiziert als „Babyfreundliches Krankenhaus“)
    • Dozentin an der Krankenpflegeschule der Segeberger Kliniken
    • Trageberaterin der Trageschule Dresden®
    • Beauftragte für Stillen und Ernährung im Hebammenverband Schleswig-Holstein e.V.bis 2016

    Stillcafe und Elternakademie etablieren – ein Beitrag zur regionalen Gesundheitsförderungsstrategie

    Zur Vorbereitung in der Schwangerschaft und Stärkung der natürlichen Elternkompetenz: Ein Projekt der Gynäkologie des Landeskrankenhaus Bregenz

    Nach der Zertifizierung als “Baby-Friendly-Hospital” im Jahr 2015 besteht der Wunsch unserer Abteilung, das begonnene Beratungs- und Bildungsprogramm zur Prävention von Erkrankungen von frühester Kindheit an in Form dieses Projektes auszuweiten.

    Mittels Finanzierung durch Sponsoren und öffentliche Gelder wird hier eine Grundversorgung an Bildung auf den Gebieten Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit und erste Jahre mit dem Kind für alle Bevölkerungsschichten gewährleistet. Die kostenlose Teilnahme und der Vorteil der hohen Erreichbarkeit durch das Spital ermöglichen dies.

    Dr. med. Heidemarie Körber-Lemb, IBCLC

    • Gynäkologin
    • Diplom Psychosoziale Medizin
    • Still- und Laktationsberaterin
    • Oberärztin Gynäkologie, Projektmanagerin Elternakdemie und Stillcafe, Landeskrankenhaus Bregenz

     

    „Weißes Gold“ – Der Handel mit Muttermilch

    Für alles gibt es einen Markt – auch für Frauenmilch. Über Internet-Börsen, soziale Netzwerke und online-Foren wird Frauenmilch zur Ernährung von Säuglingen angeboten. Kommerzielle Anbieter kaufen Frauenmilch in großem Stil auf und stellen aus diesem Rohstoff in industriellem Maßstab Säuglingsnahrung her. Frauenmilch als Ware wirft viele – bisher ungelöste – Fragen auf. Die Ökonomisierung der Frauenmilch im Spannungsfeld von Recht, Ethik und Profit wird in diesem Vortrag dargestellt.

    Dr. med. Daniel Klotz

    • Neonatologe und Intensivmediziner
    • Leiter der Frauenmilchbank Freiburg
    • Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Freiburg

    "Passt Stillen zu meinem Lebensstil?" – Moderner Lifestyle und Stillen

    Wir beraten Familien, die sehr unterschiedliche Annahmen zum Umgang mit Babies haben, zu Ernährung, Bewegung, Körperpflege und  anderen Bereichen des persönlichen Alltags. Manche stellen ihre Fragen direkt, andere schließen vielleicht von vornherein die Vereinbarkeit ihrer Lebensart und Stillen aus. Die rechtzeitige Vermittlung fundierter, aktueller Informationen gibt oft entscheidende Impulse für das Stillen. Dieser Beitrag macht einen Streifzug durch die bunte Welt der Stillberatung zwischen Leistungssport und Piercing, Diät und abgepumpter Muttermilch. 

    Monika Achermann-Weinert, IBCLC

    • Still- und Laktationsberaterin, Hebamme
    • freiberuflich in der Beratung von Familien tätig
    • Referentin am Ausbildungszentrum für Laktation und Stillen
    • Sexualkundeunterricht in der Grundschule
    • verheiratet, Mutter von 2 Kindern, lebt mit ihrer Familie in Wolfratshausen, Bayern

    Der Einfluss von Großmüttern auf die Beikostgabe in Ghana

    Die Einführung von Beikost ist für die meisten Familien ein besonderes Ereignis und wird von vielen Faktoren beeinflusst. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Beikostgabe in Ghana, nimmt Bezug auf aktuelle Ernährungsempfehlungen und traditionelle Praktiken in Zusammenhang mit der Ernährung von Kindern im ersten Lebensjahr. Da gerade Großmütter oftmals eine besondere Rolle in der Versorgungssituation von Kindern haben, setzt sich dieses Projekt mit dem Einfluss von Großmüttern auf die Beikostgabe auseinander und spiegelt somit den Konflikt zwischen Tradition und Moderne im Familiensystem wieder.

    Lisa Welcland, MSc

    • Hebamme, MSc International Child Health
    • Beauftragte für Internationale Hebammenarbeit beim Deutschen Hebammenverband (DHV)

    Wunde Brustwarzen, nein danke!

    Stillen ist die natürliche und optimale Ernährung für Säuglinge. Stillen sollte für Mutter und Kind eine schöne Erfahrung sein. Viele Frauen möchten ihr Kind stillen.
    Wunde Brustwarzen können den Frauen das Stillen verleiden. Wunde Brustwarzen sollten schnell behandelt werden, da sie mit starken Schmerzen einhergehen und sie erhöhen das Risiko für weitere Stillprobleme, wie z.B. Milchstau und Mastitis.
    Welche Gründe gibt es für die Verletzungen?
    Was hilft bei wunden Brustwarzen?

    Anja Renning, IBCLC

    • Kinderkrankenschwester, entwicklungsfördernde Neonatalbegleiterin EFNB®
    • Stillbeauftragte im Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus in Hamburg
    • Dozentin und Kursleitung im Ausbildungszentrum Laktation und Stillen

    Erlebnisse in der Kinderklinik des Lubaga Hospitals in Uganda

    Uganda - die Perle Afrikas - ist ein Binnenstaat in Ostafrika. Über den Verein „Partnerschaft gesunde Welt“ erhielten mein Mann und ich die Möglichkeit für 3 Monate im Lubaga Hospital in Kampala ärztlich tätig zu sein. Der Klinikalltag in Uganda war eine große Umstellung und zu behaupten, dass wir mit all dem gerechnet hätten, womit wir uns in Uganda konfrontiert sahen, wäre eine glatte Lüge. Auf der Kinderstation wurde ich bereits am ersten Tag Krankheiten und Krankheitsausprägungen konfrontiert, die ich so noch nie gesehen hatte. Da es kaum technische Überwachungsmöglichkeiten gab, musste man sich auf das klinische Bild und sein eigenes Gefühl verlassen.

    Auf der Neugeborenenstation stellte ich überrascht fest, dass ein Frühgeborenes mit einem Gewicht von knapp 1,5 kg in einem normalen Bett lag, ohne technische Überwachung, ohne therapeutische Maßnahmen. Insgesamt war es für mich als junge Ärztin hier auf der Neugeborenenstation immer wieder erstaunlich und überraschend, wie robust die kleinen Zwerge doch sind. Wobei man leider davon ausgehen muss, dass einige der Frühgeborenen nach der Entlassung an Infektionen oder Mangelernährung verstarben.
    Es war manchmal schwierig einen gesunden Mittelweg zu finden zwischen dem Versuch, Dinge zum Positiven zu verändern und der Frage, ob eine positive Veränderung nach unserem Verständnis überhaupt eine positive Veränderung für die Menschen in Uganda bedeutet.

    So werde ich in meinem Beitrag von einem der schönsten Länder der Welt berichten, von aufgeschlossenen und unglaublich herzlichen Menschen, von einer schwierigen Gesundheitsversorgung und dabei nicht um die Frage herum kommen, wie wir als Einzelpersonen und als Industrienationen eine Hilfestellung für Schwellen- und Entwicklungsländer sein können.

    Dr. med. Juliane Schümann

    • Assistenzärztin
    • Kinderklinik St. Joseph Krankenhaus Berlin Tempelhof

    Tragen in fast allen Situationen - Praktische Aspekte zum Tragen

    Babys brauchen viel Körperkontakt und Nähe. Tragen im Tragetuch und in Tragehilfen ist praktisch, erleichtert den Alltag und ist gut für die Eltern-Kind-Bindung. Doch was ist mit Zwillingseltern, Frühgeborenen oder Kindern mit besonderen Bedürfnissen? Was macht man bei Rückenschmerzen, nach einem Kaiserschnitt? Worauf sollte man achten? Ist Tragen wirklich ungefährlich? Wie kann man in der Praxis mit diesen Situationen und Fragen umgehen?

    Dr. med. Barbara Klein, IBCLC

    • Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
    • Trageberaterin Trageschule Dresden
    • Sozialpädiatrisches Zentrum Frankfurt Höchst
    • Mutter von drei Söhnen

    Zustand nach Kaiserschnitt - zwischen medizinischem Risiko und selbst bestimmter Geburt

    Anhaltend hohe Kaiserschnittraten prägen die Geburtshilfe schon seit Jahren und wir sind erst am Anfang, zu verstehen und zu akzeptieren, dass es für Mütter, Kinder und Familien sehr wohl einen Unterschied macht, wie geboren wird.
    Doch über die unmittelbaren Besonderheiten und Schwierigkeiten für Mütter und Kinder nach Kaiserschnittgeburten hinaus, haben unsere hohen Kaiserschnittraten zunehmend - und sogar Generationen übergreifend - Auswirkung auf die geburtshilflichen „Karrieren“ von Frauen. Zwar gilt die Maxime „ einmal Kaiserschnitt-immer Kaiserschnitt“ längst so nicht mehr, in der Praxis wird es trotzdem häufig, wenn nicht gar überwiegend so gehandhabt.
    Wenn wir verhindern wollen, dass der Kaiserschnitt zur Norm und das Gebären zur Ausnahme werden, müssen wir uns hinterfragen, warum wir uns viel zu häufig für den ersten Kaiserschnitt entscheiden. Wir müssen aber auch den Müttern im Z.n.Sectio eine zweite Chance geben. Dazu gehört differenzierte Beratung und individuelle Begleitung.
    Die Leitlinie unserer Fachgesellschaft gibt uns dazu Handlungsgrundlage und macht uns Mut, denn die Erfolgsaussichten für eine geglückte Vaginalgeburt sind hoch und die Risiken sind gering.

    Dr. med. Bärbel Basters-Hoffmann

    • Gynäkologin, Still- und Laktationsberaterin
    • Ausbildung in klassischer Homöopathie
    • Kreißsaaloberärztin, St. Elisabethenkrankenhaus Lörrach, Perinatalzentrum Level I
    • Leitung des Projektes Babyfreundliches Krankenhaus ab 1999
    • Geburt der Kinder Sebastian 1984, Ruben 1988, Friederike 1990, Lilly 1999      (verstorben kurz nach der Geburt), Nike 2001, Ludwig 2003. Alle Kinder mehrere Jahre gestillt.

    Dr. med. Ute Taschner, IBCLC

    • Ärztin, Journalistin, Still- und Laktationsberaterin
    • Studium der Medizin in Berlin. Ärztliche Tätigkeit  im Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe in Deutschland und der Schweiz
    • Seit 2010 freie Autorin
    • Buchautorin: "Meine Wunschgeburt - Selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt", edition riedenburg 2012
    • Mutter von 4 Kindern

    Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit der Massaifrauen in der Steppe von Tansania

    Traditionelle Geburtshelferinnen begleiten die betroffenen Frauen. Oft sind dieselben Frauen auch die Beschneiderinnen. Medizinische Versorgung (Vorsorge, Impfungen) ist im Massailand nicht überall erhältlich. Geburten finden auf der Rinderhaut (Schlafstätte) im Boma (Massaikral) in der Hütte statt. Es ist reine Frauensache. Früher wurde ein Mann nur für die kindliche Schädelzertrümmerung bei geburtsunmöglicher Lage geholt. Wir fahren mit einem rollenden Gesundheitsdienst in entlegene Gebiete, um die Schwangeren, Wöchnerinnen und Neugeborenen zu betreuen.

    Angelika Wohlenberg-Kinsey

    • Krankenschwester, Hebamme, Entwicklungshelferin
    • 1983 Arbeit als Missionskrankenschwester (ausgesandt vom Nordelbischen Missionszentrum) im Massailand, Tansania.
    • Bis 1996 Aufbau einer mobilen Klinikeinheit im Südmassailand (Simanjiro Distrikt).
    • Im März 1997 gründete sie mit Freunden den Verein "Hilfe für die Massai e.V." und arbeitet seitdem vorrangig im Nordmassailand.

    Freiberuflichkeit als Kinderkrankenschwester – Frei sein, das Berufsleben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten

    Als Kinderkrankenschwester in der Freiberuflichkeit zu überleben, scheint schwierig, angesichts der häufig nicht vorhandenen Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Mit einem vielfältigen Angebot, welches neben Stillberatung auch noch andere Beratungsdienstleistungen, Kursleitungen, Dozententätigkeiten rund um das gesunde und das gesundheitlich bedürftige Kind umfassen können viele Familien erreicht werden.
    Betriebswirtschaftliches Denken hilft, hierbei auch angemessen finanziell honoriert werden.
    In diesem Vortrag werden verschiedene Arbeitsfelder freiberuflicher Kinderkrankenschwestern sowie einige Grundlageninfos über das Thema Freiberuflichkeit vorgestellt.

    Mechthild Hoehl

    • Kinderkrankenschwester, Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin
    • Lehrbuchautorin: Thiemes Gesundheits- und Kinderkrankenpflege
    • Seit der Geburt der eigenen drei Kinder freiberuflich tätig als Elternberaterin und Dozentin im Bereich Kindergesundheit
    • Vorsitzende des Berufsverbandes Interessengemeinschaft der freiberuflich und/oder präventiv tätigen Kinderkrankenschwestern IG-kikra

    Frust mit der Brust - Wenn Milchstau, Mastitis und Abszess die Stillbeziehung trüben

    Milchstau, Mastitis und Abszess sind Stillprobleme, die das Stillen erschweren und auch zum Abbruch der Stillbeziehung führen können. Stillende Frauen brauchen die Unterstützung der Fachleute, um diese Krisen in der Stillbeziehung zu überwinden.
    In diesem Vortrag geht es um die praktischen Aspekte bei der Therapie von Milchstau, Mastitis und Abszess.
    Wie können die neuen nationalen und internationalen Erkenntnisse in der Praxis umgesetzt werden?

    Anja Renning, IBCLC

    • Kinderkrankenschwester, entwicklungsfördernde Neonatalbegleiterin EFNB®
    • Stillbeauftragte im Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus in Hamburg
    • Dozentin und Kursleitung im Ausbildungszentrum Laktation und Stillen

    Fachtagung Academy of Breastfeeding Medicine


    More milk!!! Maximizing Milk supply with Early Hand Expression and Hands-on Pumping

    This presentation will focus on the scope of the problem of insufficient milk production in both mothers of term and preterm infants. Research on hand expression used in the first 3 postpartum days and hands-on pumping used after lactogenesis and the influence of these techniques on milk production and composition will be discussed, followed by the clinical implications.

    Prof. Jane A. Morton, MD, FAAP, FABM

    • Kinderärztin
    • Adj. Cl. Professor of Pediatrics, Emerita, Stanford Medical Center, Stanford University, CA, USA

     

    Baby-led Weaning: A developmental approach to complementary feeding

    Babies are more capable than they are usually given credit for. They are born able to feed themselves at the breast; they know how frequently they need to feed, how fast they should feed, and how much milk to take. Why, then, are we surprised to learn that they also have the skills they need to feed themselves with solid foods? Baby-led weaning (BLW) is a safe, logical way to introduce solid foods. It makes the process more enjoyable for babies, and easier and less stressful for their parents. It may also have long-term implications for health, with research suggesting that it leads to better dietary choices in later childhood and less risk of obesity. This talk will explain the concept of BLW, looking at why and how babies begin to take an interest in solid foods. Drawing on her own research, Gill will show how we can support infants to take the initiative in making the change from milk-only feeding to family meals, and suggest some reasons why it may be a good idea for us to respect their wishes and abilities.

    Gill Rapley, PhD

    • Midwive, Community Nurse, Lactation Consultant
    • Practised for many years as a public health nurse
    • Lecturer in infant feeding at Canterbury Christ Church University, UK
    • Co-Autorin: Baby-led Weaning: Der stressfreie Beikostweg

    Safe skin to skin contact after birth

    Skin to skin contact has been shown to have many beneficial effects for the mother and her infant. This lecture deals with clinical and theoretical aspects of conducting safe skin to skin contact. The infant’s nine stages to reach the nipple and start sucking the breast will be presented and discussed one by one. It will be described how breastfeeding reflexes develop and coordinate in healthy alert infants in skin to skin contact and how the baby uses all its senses to reach the nipple and start successful suckling. It will also be discussed, how these nine stages can take place in a safe environment, which protects the baby during this vulnerable period.

    Prof. Dr. Eva Nissen

    • Midwife, Nurse with Teaching Diploma
    • PhD thesis: Effects of some ward routines on behavioural and physiological adaptation to breastfeeding
    • Professor at Karolinska Institutet, Stockholm, Sweden
    • Author of numerous peer-reviewed original articles about birth, skin-to-skin and to breastfeeding
    • Retired Director of research, Parent-infant interaction and breastfeeding group (PIIB)

    Facilitating Breastfeeding in the Neonatal Unit

    In this presentation we will talk about our experience of delivering family centered, developmentally supportive care in Center of Neonatology (Children‘s Hospital, Affiliate of Vilnius University Hospital Santariskes Clinics). We will present the work of multidisciplinary team which consist of child developmental specialist, occupational therapist and psychologist and the work principles of each team member. Facilitating breastfeeding in the neonatal units is an important part of our newborn developmental care program. Preterm or ill newborn‘s breastfeeding in neonatal units can be quite a challenge both for the newborn and his family. To facilitate breastfeeding in hospital the learning process often needs to be adapted individually. We will talk about challenges and achievements delivering breastfeeding support in neonatal units.

    Judita Dovydenaite

    • Occupational Therapist, Bachelor of Occupational Therapy
    • Master of Rehabilitation
    • Lactation Consultant
    • Children‘s Hospital, Affiliate of Vilnius University Hospital Santariskes Clinics, Child Development Centre, Early Rehabilitation Department, Centre of Neonatology

     

    Ieva Sidaraviciute

    • Medical Psychologist
    • Master of Clinical Psychology, Bachelor of Psychology (CUM LAUDE)
    • Children‘s Hospital, Affiliate of Vilnius University Hospital Santariškės Clinics, Child Development Center, Early Rehabilitation Department, Center of Neonatology

     

    Maternal Infections and Breastfeeding

    This will be a review of common maternal infections and the considerations for continued breastfeeding. There will be a summary of the maternal infections for which breastfeeding is considered safe and for those where caution may be appropriate depending on the clinical situation for mother and infant. Several example maternal infections will be discussed to highlight important considerations when assessing risk to the infant. Persisting controversy regarding HIV and CMV will be presented for audience discussion.

    Prof. Robert M. Lawrence, MD

    • Kinderarzt und Mikrobiologe
    • Clinical Professor and Division Chief
    • Pediatric Infectious Disease, College of Medicine, University of Florida, Gainesville, USA
    • Co-Autor: Breastfeeding: A Guide for the Medical Professional

    First Touch, First Food, First Hour… in a Mother’s Hands

    The risk of early termination of breastfeeding typically relate to complications with a) attachment, b) breastmilk production, or c) the caloric intake of the infant. Simply put, A, B and C. Could hand expression taught in Labor and Delivery to every mother reduce early termination and the health, financial and emotional morbidity associated with breastfeeding complications in both low and high risk infants? This presentation will examine this question, focusing on the purpose of teaching early hand expression, the available science and the practice of integrating this technique into first hour care.

    Prof. Jane A. Morton, MD, FAAP, FABM

    • Kinderärztin
    • Adj. Cl. Professor of Pediatrics, Emerita, Stanford Medical Center, Stanford University, CA, USA

     

    Fachtagung Psychosomatik in der Peripartalzeit


    Postpartale Bindung: Die Rolle peripartaler Depression, Angst und präpartaler Bindung

    Die nachteiligen Auswirkungen peripartaler Depression auf die Mutter-Kind-Bindung sind vielfach dokumentiert; dennoch ist der Einfluss präpartaler Bindung auf die postpartale Bindung zum Kind nicht geklärt. Ziel der vorgestellten Studie war es, den Einfluss der präpartalen Bindung sowie periparataler Angst und Depression auf die Mutter-Kind-Bindung zu untersuchen. Daten von 80 Frauen wurden auf einen Zusammenhang zwischen Ängsten und Depression sowie prä- und postpartaler Bindung mittels Fragebögen analysiert. Die Ergebnisse unterstützen die angenommene Verbindung zwischen prä- und postpartaler Bindung sowie die Rolle postpartaler Depressivität. Die frühe Feststellung beeinträchtigter Bindung in der Schwangerschaft und postpartaler Depression spielt eine wichtige Rolle in der Prävention möglicher Bindungsbeeinträchtigung im frühen Postpartalzeitraum.

    Prof. Dr. phil. Corinna Reck

    • Professorin für klinische Psychologie des Kindes- und Jugendalters
    • Ludwig-Maximilians-Universität München

    Typische Interaktionsmuster bei psychischen postpartalen Störungen

    Psychische Erkrankungen treten häufig im Kontext von Schwangerschaft und früher Mutterschaft auf. Ihr negativer Einfluss reicht über die Lebensqualität der Frau hinaus: Die Krankheit wirkt auf die ganze Familie, vor allem auf die Mutter-Kind-Bindung sowie auf die seelische und körperliche Entwicklung des Säuglings. Beziehungsstörungen zwischen Mutter und Kind zeigen sich in typischen Interaktionsmustern und lassen sich therapeutisch gut beeinflussen. Eine Verbesserung der Mutter-Kind-Beziehung wiederum fördert das Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit der Mutter und unterstützt die Therapie ihrer Erkrankung. Der Vortrag benennt wichtige psychische Störungsbilder sowie deren Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung und -Bindung. Anhand von Videobeispielen werden typische Interaktionsmuster dargestellt und deren therapeutische Beeinflussbarkeit erläutert.

    Prof. Dr. med. Kerstin Weidner

    • Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin
    • Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik
    • Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden

    Interaktionstherapie und Stillschwierigkeiten bei psychischen postpartalen Störungen

    Viele psychische Erkrankungen wirken sich in der Postpartalzeit spezifisch auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind aus. Die Bandbreite reicht von Ambivalenz- und Insuffizienzgefühlen bei objektiv unbeeinträchtigter Feinfühligkeit, über Defizite in der Interaktion mit dem Kind bis hin zu manifesten Bindungsstörungen. Defizite in der Befriedigung der Bindungsbedürfnisse des Säuglings bergen die Gefahr einer transgenerationalen Übertragung von Entwicklungsrisiken auf das Kind. Die Ursachen und Behandlungsansätze sind vielfältig. Im Vortrag wird das State-of-the-Art-Vorgehen in der (teil)stationären multiprofessionellen Mutter-Kind-Interaktionstherapie anhand von Fallbeispielen dargestellt. Auch das Stillen bzw. der Umgang mit Stillschwierigkeiten im Kontext psychischer Erkrankungen wird berücksichtigt.

    Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Juliane Junge-Hoffmeister

    • Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie)
    • Leiterin der Mutter-Kind-Tagesklinik an der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik
    • Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden
    • Forschungen im Bereich perinataler psychischer Erkrankungen
    • Weiterbildung und Supervision von Psychotherapeuten, Hebammen etc.

    Männer leiden mit! Belastungen der Partner postpartal psychisch erkrankter Frauen

    In den letzten Jahren wurde zunehmend über die Entstehung verschiedener psychischer Krankheitsbilder bei Frauen in der Postpartalzeit sowie deren Prävalenz und Auswirkung auf die Mutter-Kind-Beziehung und auf die kindliche Entwicklung berichtet. Die Fach- und die Allgemeinöffentlichkeit sind für postpartale psychische Erkrankungen bei Frauen, insbesondere für Depressionen, sensibilisiert, so dass diese frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Wenig beachtet wurde bisher, dass auch Männer nach der Geburt eines Kindes unter psychischen Störungen leiden können vor allem dann, wenn die Partnerin eine postpartale psychische Erkrankung entwickelt. Der Effekt dieser Erkrankung auf das Wohlbefinden der Partner und der Gegeneffekt auf die eigene Genesung werden in dem Beitrag präsentiert und diskutiert.

    Dr. Patricia Trautmann Villalba, Lic. Psic

    • Psychologin
    • Vorstandsvorsitzende der Marcé Gesellschaft für peripartale psychische Erkrankungen
    • Geschäftsführerin der Stiftung Starke Bande
    • Schwerpunkte in der klinischen und wissenschaftlichen Arbeit: Eltern-Kind-Interaktion, kindliche Entwicklung sowie die elterlichen psychischen Erkrankungen

    Geburtsvorbereitende Psychotherapie mit Fallbeispielen

    Geburt ist schon lange nicht mehr ein Thema von Zuversicht und Vertrauen. Die Geburtsmedizin hat wegen ihrer Risikoorientierung viel Angst, Zweifel und am Ende auch psychische Störungen wie Depressionen und Traumatisierungen mitverursacht. Rechtzeitig erfasst, lassen sich alle negativen Begleiterscheinungen psychotherapeutisch behandeln, welche Schwangerschaften, Geburten und das Wochenbett belasten. Das gelingt oft mit wenigen Sitzungen. Anhand von Fallbeispielen aus der psychotherapeutischen und integriert psychosomatischen Arbeit an einer geburtshilflichen Abteilung gibt der Vortrag einen Überblick über die zunehmenden Störungsbilder und deren Behandlungsmöglichkeiten. Darüber hinaus werden perspektivisch Aufgaben von Geburtshilfe, Politik und Gesellschaft definiert, welche nötig sind, um das Kulturerbe des Gebärens langfristig zu sichern.

    Dr. med. Wolf Lütje

    • Frauenarzt
    • Chefarzt der Frauenklinik Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus, Hamburg
    • Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Geburtshilfe und Gynäkologie (DGPFG)
    • Buchautor: Vertrauen in die natürliche Geburt, Kösel-Verlag, ab Okt. 2016 im Handel
    • Vater von 7 Kindern

    Fachübergreifende Peripartale Sprechstunde

    Peripartale psychische Störungen sind in den letzten 15 Jahren immer stärker in den öffentlichen wie professionellen Fokus gerückt. Wurden Ängste und Depressionen von Schwangeren und Müttern lange nicht wahrgenommen, gibt es heute mehr Wissen und gute Screeninginstrumente, die zu mehr Aufdeckung und Behandlungsangeboten führen. Bisweilen geraten nicht nur die Betroffenen sondern auch Helfer in Überforderungssituationen, wenn sie nicht ein „gutes Netzwerk“ aktivieren können, um unterschiedliche Bedürfnisse und therapeutische Optionen abdecken zu können.
    Anhand der Frauensprechstunde der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Ev. Krankenhauses Alsterdorf wird die Netzwerkarbeit des FINE-Netzwerkes Hamburg dargestellt, in dem seit 2010 multidisziplinär und fachübergreifend die Versorgung von betroffenen Frauen beschleunigt und verbessert werden soll.

    Dr. med. Catrin Mautner

    • Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
    • Chefärztin der Abteilung für Psychiatrie u. Psychotherapie am Ev. Krankenhaus Alsterdorf, Hamburg
    • Gründerin FINE-Netzwerk (www.frauenpsychosomatik-hamburg.de)
    • Mitglied PID-Ethikkommission Nord

    20. Frühgeborenen-Symposium


    LISA – Umsetzung einer neuen Methode auf einer neonatologischen Intensivstation

    In der Vorbereitung zur AMV-Studie wurde 2006 in der Neonatologie des Olgahospital Stuttgart mit der LISA-Methode begonnen. Im Erlernen und Ausbilden wurde seither das Vorgehen modifiziert, unsere Strategie optimiert mit dem Ziel die Erfolgsrate zu erhöhen und die Belastung für die Kinder zu verringern. Anleitung und Ausbildung der ärztlichen Mitarbeiter spielte dabei eine wesentliche Rolle. Das veränderte Risikoprofil der Methode hat auch Zeitpunkt und Indikation zur Surfactantgabe verändert, über das Kollektiv der AMV und NINSAPP-Studie hinaus. Ein neues Hilfsmittel zum Einbringen des Katheters in die Trachea wurde entwickelt und zur Marktreife gebracht.

    Dr. med. Patrick Neuberger

    • Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Neonatologe
    • Oberarzt Neonatologie, Olgahospital Stuttgart, Klinikum Stuttgart

    Psychoneonatologie - die Rolle der PsychologIn und die Rollenerwartung des Personals in der Neonatologie

    Der G-BA Beschluss zur psychosozialen Betreuung der Eltern brachte den deutschen Neonatologien den Aufbau eines neuen Berufszweiges der „Psychoneontalogen“. Diese Berufsgruppe, die vielerorts noch in den Kinderschuhen steckt, ist in ihren Anfängen verschiedensten Erwartungen ausgesetzt. In ihrer Identitätsfindung steckend, geboren in eine gemeinhin somatisch dominierte Intensivmedizin, stellt sich die Frage der Rolle und Stellung der PsychologIn: Besteht sie in der empathischen Begleitung der belasteten Familien, die mit den Verunsicherungen wachsen müssen? Oder ist es vielmehr die Betreuung des Behandlungsmilieus Neonatologie, mit seinen Strukturen und Mitarbeitern, welches einen Umgang mit den Themen an der Grenze der Lebensfähigkeit finden muss? Welchen Beitrag kann die Psychologie zur Neonatologie leisten?

    Lina Bahr

    • Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin
    • Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Neonatologie

    Surfactant-Applikation am CPAP über Sonde – Pflegerische Aspekte

    Surfactant-Gaben kommen bei spontan atmenden Frühgeborenen in Frage, wenn es darum geht, die Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung abzuwenden.
    In dem Vortrag wird unter Einbeziehung abteilungsinterner Standards erläutert, wann und wie Surfactant-Gaben erfolgen sowie was aus pflegerischer Sicht relevant ist.
    Zunächst werden die Kriterien für eine Surfactant-Gabe vorgestellt, einschließlich Bewertung der respiratorischen Situation der Patienten sowie Zielwerte und Alarmgrenzen bei Früh- und Reifgeborenen (abteilungsinterne Standards).
    Es werden Maßnahmen und Vorgehensweise vor, während und nach der Surfactant-Applikation beschrieben. Dabei wird auch auf Aspekte der Lagerung und Umgebungsgestaltung eingegangen.
    Schließlich werden die Beobachtungen aus pflegerischer Sicht geteilt und Empfehlungen in einem Fazit zusammengefasst.

    Olga Falkowski

    • Kinderkrankenschwester
    • Fachexamen pädiatrische Intensivpflege und Anästhesie
    • Neonatologische Intensivstation am Olgahospital, Klinikum Stuttgart

    Stillen von komplexkranken Neugeborenen - Fallbeispiele

    Auf den neonatologischen Intensivstationen der Universitätsklinik Charité war das Stillen, Känguruing und Bonding über Jahrzehnte ein Randthema. Aussagen, wie: “Wir haben andere Schwerpunkte, Stillen können sie auf den Nachsorgestationen, entweder es klappt mit der Muttermilch oder eben nicht“, waren gängige Aussagen der Intensivschwestern.
    Wie ist es uns gelungen ein Umdenken beim Personal zu erreichen? Anhand verschiedener Krankheitsbilder von Frühgeborenen und chirurgischen, kardiologischen Reifgeborenen, möchte ich zeigen, was wir heute für diese Kinder in Punkto Bindung und Stillen erreicht haben.

    Irina Schroen, IBCLC

    • Fachschwester für Intensivmedizin im Kindesalter
    • Still- und Laktationsberaterin
    • Klinik für Neonatologie, Charité Universitätsmedizin Berlin

     

    Peripartale Kommunikation mit Eltern von Frühgeborenen - Wahrnehmungen, Wünsche, Wirkungen

    Eltern erleben die verfrühte Geburt ihres Kindes und die damit verbundenen medizinischen Maßnahmen als Stress und Belastung, gegebenenfalls sogar als traumatische Erfahrung. Kommunikation spielt in dieser Situation eine wesentliche Rolle. Sie ist gleichzeitig ein Bereich, der in der Ausbildung nur eine geringe Rolle spielt. Der Psychotherapeut Christian Lüdke bringt die Minimalforderung auf den Punkt: „Ein Mensch, der sich plötzlich in einer für ihn unsicheren Welt wiederfindet, muss sehr schnell in eine äußerlich sehr sichere Welt zurückgeführt werden." Doch wie kann das gelingen und was verändert sich, wenn nicht nur Fachwissen, sondern auch Einfühlungsvermögen, Gesprächsbereitschaft und Zeit gegeben sind? Der Vortrag nähert sich den Antworten über Wahrnehmungen, Wünsche und Wirkungen, die betroffene Eltern äußern.

    Dr. phil. Heike Wolter

    • Universitätsdozentin
    • Freie Autorin (Verwaiste Eltern und Geschwister, Schwangerschaftsabbruch, Interkulturelle Kompetenz in Schwangerschaftsbegleitung und Geburtshilfe)
    • Freie Lektorin
    • Freiberufliche Dozentin

    Twinkle Twinkle Little Star – Musiktherapeutische Ansätze in der Neonatologie

    Warum wollen wir uns bei Regenwetter gemütlich ins Bett kuscheln? Warum entspannt uns das Rauschen des Meeres? Warum möchten wir uns zu rhythmischer Musik bewegen, und warum können Stimmen trösten?
    Vorgeburtliche Klangerlebnisse haben Auswirkungen auf unser Erleben und die Verbindung zu anderen Menschen ein Leben lang. Wenn Kinder zu früh auf die Welt kommen, werden sie mit den Klängen der Intensivstation konfrontiert. Es fehlt ihnen die Klangwelt im Mutterleib, die ihnen Geborgenheit gibt, die eine Verbindung zur Mutter darstellt, und die optimal für ihre Hirnentwicklung ist.
    In unserem Vortrag wollen wir veranschaulichen, wie Musiktherapeutinnen mit musikalischen Elementen gemeinsame Erlebnisse von Entspannung und Nähe zwischen Eltern und Kind ermöglichen, und wie sie durch Synchronisationserlebnisse und durch individuell auf das Kind abgestimmtes musikalisches Spielen oder Singen/Summen z. B. die Selbstregulation unterstützen und die Sauerstoffsättigung stabilisieren.

    Stephanie Scileppi

    • Zertifizierte Musiktherapeutin, DMtG
    • Zertifizierte Musiktherapeutin für Neonatologie
    • Entwicklungsfördernde Neonatalbegleiterin EFNB®
    • Charité Berlin

     

     

    Ruth Stakemann

    • Zertifizierte Musiktherapeutin, DMtG
    • Weiterbildung NICU-Musiktherapie in New York
    • Entwicklungsfördernde Neonatalbegleiterin EFNB®
    • Klinikum Links Der Weser, Bremen, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

    Pumpmanagement für Frühchenmütter - Laktationsaufbau in besonderen Situationen

    Familien, die ihre zu früh oder krank geborenen Neugeborenen auf der Neonatologie behandeln lassen müssen, sind oft besonders belastet. Genug Milch „abzuliefern“ und regelmäßig zu pumpen kann für die Mütter zusätzlich zum Stress werden. Die Laktation über den oft langen Krankenhausaufenthalt aufrecht zu erhalten stellt häufig eine Herausforderung dar. Gerade für diese Kinder ist es aber von besonders großem Wert Muttermilch zu erhalten. Unter Beachtung einiger Grundregeln können, durch Beratung und Anleitung, individuelle Wege gefunden werden den Stress, für die jeweilige Frau, geringer zu halten und trotzdem eine ausreichende Laktation zu etablieren.

    Claudia Braches, IBCLC

    • Kinderkrankenschwester, Still- und Laktationsberaterin
    • Stillbeauftragte am Klinikum Solingen (Babyfreundliche Kinderklinik und Geburtshilfe), Betreuungsschwerpunkt Neonatologie
    • Neonatalbegleiterin EFNB®
    • Gutachterin der Initiative Babyfreundlich, in Ausbildung
    • Verheiratet, zwei Kinder

    Möglichkeiten und Grenzen Sozialmedizinischer Nachsorge bei Frühgeborenen

    Frühgeborene sind oft lange intensivmedizinisch betreut, so lange wie kaum eine andere Patientengruppe. Lange Zeit ist die psychosoziale Betreuung der Eltern sträflich vernachlässigt worden, das hohe Ausmaß traumatischer Belastungen nur unzureichend akzeptiert worden. Durch neue Vorgaben wird sich dies hoffentlich in naher Zukunft verändern. Auch die Rolle der Eltern auf unseren Stationen hat sich gewandelt, heraus aus einer passiven Rolle, hin zu aktiven Mitgestaltern des therapeutischen Prozesses. Und die rasante Entwicklung sozialmedizinischer Nachsorgestrukturen die den oft abrupten Übergang von wochenlanger Klinikbetreuung ins ambulante „Nirwana“ auffangen können, ist auch im internationalen Maßstab eine Erfolgsgeschichte. Wie Nachsorge gelingen kann und welche Klippen zu umschiffen sind, soll hier erläutert werden.

    Anna Kalbér

    • Kinderkrankenschwester, Case Managerin, Pain Nurse
    • Case Managerin und Standortleitung im Kindergesundheitshaus e.V., Berlin
    • 1989-2015 Intensivpflegekraft, Perinatalzentrum des Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin
    • Seit 2007: freiberufliche Referentin und Trainerin für Betreuungskonzepte in der Neonatologie „Neotrainer“

     

    Elterncafé für Eltern frühgeborener Kinder in der Kinderarztpraxis

    Die stationäre Betreuung von Frühgeborenen und deren Eltern in den spezialisierten Zentren gewährleistet eine komplette medizinische, soziale und emotionale Versorgung aller Beteiligten. Die Eltern und deren soziales Umfeld erlernen alle wichtigen Aufgaben Rund um das Handling und die Ernährung ihres Kindes. Bis zum Entlassungszeitpunkt vergehen manchmal einige Monate, trotzdem ist vielleicht dieser letzte Schritt der Klinikentlassung einer der schwierigsten. Gerade noch eingebettet in das Versorgungssystem Klinik mit Unterstützung u.a. durch Krankenschwestern, Hebammen, Stillberatung, Ärzten, Sozialdienst, Elternberatung und Physiotherapeuten, gilt es nun auf eigenen Beinen zu stehen.
    Mit einem mehrseitigen Arztbrief in der Hand und zahlreichen anstehenden Nachsorgeterminen, steht auch bald der erste Termin in der Kinderarztpraxis an.
    Doch wie soll es nun weitergehen, wie finde ich Unterstützung außerhalb der Klinik?
    Das Frühgeborenen-Café ist ein spezielles Angebot unserer Praxis und soll insbesondere den Eltern von Frühgeborenen Kindern als sozialer Treffpunkt dienen und die Möglichkeit bieten, zwanglos den Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern zu suchen.
    Dieses Café möchte ich gerne auf diesem Symposium vorstellen.

    Dr. med. Sebastian Hartenstein

    • Facharzt für Kinder- und Jugenheilkunde, Neonatologe
    • Kinder- und Jugendarztpraxis Drs. Ruppert und Hartenstein, Berlin

    Symposium Zusammen gegen Genitalverstümmelung


    Weibliche Genitalverstümmelung – ein weltweites Problem

    Alle 11 Sekunden wird ein Mädchen durch die rituelle Beschneidung der weiblichen Genitalien verstümmelt. Die WHO geht davon aus, dass weltweit bis zu 200 Millionen Mädchen und Frauen betroffen sind. Selbst in Deutschland leben bis zu 50 000 Opfer. Gemeinsam mit der Desert Flower Foundation Wien unter der Schirmherrschaft von Waris Dirie hat das Berliner Krankenhaus Waldfriede am 11. September 2013 das Desert Flower Center Waldfriede eröffnet. Es ist das erste Krankenhaus weltweit, das sich auf die ganzheitliche Behandlung und Betreuung von Opfern der Genitalverstümmelung spezialisiert hat. Ärzte, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten, Gesprächstherapeuten und Selbsthilfegruppen bieten den Frauen Unterstützung und Hilfe an, dazu kommen Beraterinnen und Dolmetscher mit afrikanischem Hintergrund. Über 150 Patientinnen konnten mittlerweile beraten und behandelt werden. Der gemeinsame Vortrag von Dr. Cornelia Strunz und Evelyn Brenda gibt umfassende Hintergrundinformationen und stellt darüber hinaus ein Hilfsangebot für betroffene Mädchen in Kenia vor.

    Evelyn Brenda

    • Psychosoziale Beratung und Betreuung für beschnittene Frauen im „Desert Flower Center“ Waldfriede
    • Übersetzerin

     

     

     

    Dr. med. Cornelia Strunz

    • Oberärztin im Zentrum für Darm- und Beckenbodenchirurgie
    • Ärztliche Koordination und Sprechstunde „Desert Flower Center“ Waldfriede, Krankenhaus Waldfriede in Berlin-Zehlendorf
    • Fachärztin für Chirurgie und Gefäßchirurgie
    • Generalsekretärin der Desert Flower Foundation Deutschland

     

    Female Genital Mutilation bei den Massai

    Mädchen wurden bis vor ca. 10 Jahren zwischen dem 10. bis 13. Lebensjahr beschnitten und nach der Wundverheilung als Ehefrau zwangsverheiratet. Im Umbruch der Zeit wird inzwischen heimlich im Alter von 2 bis 4 Jahren beschnitten, weil die Regierung weibliche Beschneidung verbietet. Schulbildung, neue Gesetze, Einfluss von anderen ethnischen Gruppen sind eine neue Herausforderung für die traditionelle Lebensweise der Massai. Das betrifft u.a. FGM.

    Angelika Wohlenberg-Kinsey

    • Krankenschwester, Hebamme, Entwicklungshelferin
    • 1983 Arbeit als Missionskrankenschwester (ausgesandt vom Nordelbischen Missionszentrum) im Massailand, Tansania.
    • Bis 1996 Aufbau einer mobilen Klinikeinheit im Südmassailand (Simanjiro Distrikt).
    • Im März 1997 gründete sie mit Freunden den Verein "Hilfe für die Massai e.V." und arbeitet seitdem vorrangig im Nordmassailand.

    Der mutige Schrei einer „von Gott geschorenen“ und ihr Kampf gegen das Beschneidungsritual

    Rebecca Lolosoli, die 54-Jährige Samburu, hat 1990 das erste Frauendorf Afrikas gegründet und erbaut. Es bot von ihren Familien ausgestossenen Frauen (z.B. nach einer Vergewaltigung) sowie Mädchen die mit 12, 13 Jahren verheiratet oder gegen ihren Willen beschnitten werden sollten, Schutz. Nach schwierigen Anfangsjahren wurde das „Umoja Village“ von der Männer dominierten Gesellschaft akzeptiert. Inzwischen haben sich dem Dorf rund 60 verschiedene Frauengruppen aus der näheren und weiteren Umgebung angeschlossen. Gemeinsam wird gegen die noch immer weit verbreitete weibliche Genitalverstümmelung (FGM) gekämpft. Außerdem sensibilisiert Rebecca die Frauen auch bezüglich ihrer Rechte (Landkauf, Scheidung u.ä.). Schulbildung der Kinder und Wasserversorgung gehören ebenfalls zu den Schwerpunkten von Rebeccas Bemühungen und Arbeiten.

    Rebecca Lolosoli

    • 1963 bei Wamba im Samburu County, Kenia geboren
    • Schulbesuch bei italienischen Missionaren
    • Beschneidung mit 13 Jahren
    • Heirat mit 18 mit Fabian Lolosoli, Geburt ihrer fünf Kinder
    • Trennung von ihrem Mann, Auszug und 1990 Gründung des Umoja Village
    • Ein Leben mit Visionen: Trinkwasser, Schulen, Kampf gegen FGM

    Genitalverstümmelung: Tabus aufbrechen, Betroffene richtig behandeln, Mädchen schützen

    Nach Schätzungen sind weltweit ca. 130 Millionen Frauen und Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) betroffen. Die Höhe der Dunkelziffer ist ungewiss, denn FGM ist ein absolutes Tabu. Dieses Tabu zu durchbrechen, gilt als wichtiger Bestandteil im Kampf gegen FGM. Durch Migrations- und Flüchtlingsbewegungen ist die uralte und grausame Tradition längst in Europa angekommen: Bis zu 500 000 Mädchen und Frauen sind nach Schätzungen in der EU von FGM betroffen oder bedroht. Der Vortrag zeigt auf, wie wir sensibel mit betroffenen Frauen umgehen und potentiell bedrohte Mädchen erkennen, um sie vor FGM zu schützen.

    Tiranke Diallo

    • Vorstandsmitglied Mama Afrika e.V.

     

     

     

     

    Dr. med. Sarah Lück

    • Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
    • St. Joseph-Krankenhaus Berlin, Kinderklinik

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